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Ein Artikel in der Esslinger Zeitung bzgl. des Biker Build Off 2010

 

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Ein Traum in Gold, Chrom und Airbrush

Altbach:
Bike Schmiede Süd gewinnt bei der "Custombike 2010" in Bad Salzuflen gegen Konkurrenz aus Vereinigten Arabischen Emiraten


Weil in Zell eine Brücke gesperrt war, ist Bodo Hayen in Hayen am leer stehenden Autohaus vorbei gefahren. Es war genau das, was er für seine Motorräder suchte. Ende des vergangenen Jahres begann der sechsmonatige Umbau für seine Firma  Die Bike Schmiede Süd. Derzeitiger Blickfang im Ausstellungsraum ist ein "königlicher Schatz".
 

Von Peter Dietrich
 

Im Sommer wurde Bike Schmiede Süd angefragt, beim Wettbewerb "European Biker Build Off" anzutreten. So fuhr das Team Anfang Dezember zur "Custombike 2010" nach Bad Salzuflen. Im Gepäck alle Einzelteile für die "Royal Treasure", ein Motorrad im alten Stil, aber mit moderner Technik. Als Custombike ist es ein Einzelstück aus selbst angefertigten oder speziell bestellten Teilen. Freitags um 12 Uhr begann das Team mit dem Auspacken, am Sonntag um 14 Uhr musste das Motorrad laufen. Die 30000 Besucher von Europas größter Harley- und Custombikemesse durften entscheiden. War das Motorrad aus Altbach schöner - oder das des Konkurrenzteams aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu dem hochkarätigen Experten aus amerikanischen Firmen gehörten? Die Altbacher hatten mit ihrem Traum in Chrom und 24 Karat Gold den Geschmack des europäischen Publikums besser getroffen und siegten.

Halbes Jahr Bauzeit

Als Basis diente ein Wishbone-Starrahmen aus dem Jahr 1948. Um hinten die 20 Zoll-Felgen unterzubringen und einen bogenförmigen Tank zu ermöglichen, wurde der Rahmen modifiziert. Das änderte nichts daran, dass für die Zulassung die Rechtslage von 1948 gilt, auf Blinker konnte deshalb verzichtet werden. Besonders auffällig ist die Airbrush-Bemalung, die alleine sechs Wochen in Anspruch nahm. Ähnlich außergewöhnlich sind die rechteckigen, in sich gedrehten Speichen. Der Knucklehead-Motor der amerikanischen Firma S&S bringt es bei 1600 ccm auf eine Leistung von 90 PS, das Revtech-Getriebe hat sechs Gänge.

Ein halbes Jahr haben Hayen und sein Team in die "Royal Treasure" investiert. Am Mittwochabend vor der Messe fuhr das Motorrad das erste Mal. Noch in der Nacht wurde es wieder zerlegt. Der Test musste sein: Unvorstellbar, dass das Motorrad auf der Messe nicht gefahren wäre. Im März geht es in die USA zur Daytona Bike Week, danach zum neuen Besitzer, denn das Liebhaberstück ist bereits verkauft. Ein selbst konzipiertes Fahrzeug pro Monat will die Bike Schmiede Süd fertigen. 30000 Euro aufwärts muss der Kunde dafür investieren. "Nach oben gibt es in der Königsklasse keine Grenzen", sagt Hayen. "Das kann ganz schnell 100000 Euro erreichen." Kein Wunder, wenn manches Custombike auf einem Teppichboden steht und nur bei schönstem Wetter raus darf. Kunden kommen aus ganz Europa, aus Asien und Amerika.

Wer "nur" eine Harley mit kleineren Umbauten will - irgendwas Persönliches muss ja schon sein -, ist in Altbach ebenfalls richtig. Acht Leute sind in der Firma tätig, davon zwei Auszubildende als Mechatroniker im Feingerätebau. Es ist ein Familien- betrieb: Die Frau macht die Buchhaltung, der Sohn betreut die EDV, die Tochter den Verkauf von Bikerkleidung, in der Werkstatt mit ihren sechs Hebebühnen schraubt Jugendfreund Robbe.

Der eine Kunde kommt, um den Fortschritt seines Custombikes zu diskutieren. Die Bauzeit kann bis zu einem Jahr betragen. Ein anderer vielleicht, um zu essen, denn in den Ausstellungsraum ist ein Restaurantbetrieb integriert. Wer will, kann zwischen den Gängen mal kurz auf einer Harley Platz nehmen. Dass die ungewöhnliche Kombination rechtlich klappte, verdankt Hayen auch der Unterstützung durch Altbachs Bürgermeister Wolfgang Benignus.

Mindestens einmal im Monat müssen die Motorräder weichen, dann gibt es im Ausstellungsraum Livemusik. "Hochwertige", betont Hayen, der überall auf ein gewisses Niveau Wert legt.


© Esslinger Zeitung 22.12.2010